Jedes Jahr gibt es diese eine Idee. Manchmal ein bisschen verrückt. Manchmal einfach nur besonders.
Dieses Jahr war es klar: Einmal komplett um Fehmarn. Mit dem Gravelbike.
Früh morgens ging es los. Fahrrad im Auto, Kaffee im Becher, Kopf noch halb im Ruhemodus. Ziel: die Insel. Schon bei der Ankunft wurde klar – das wird entspannt. Direkt am Startpunkt in Lemkenhafen ein Parkplatz, fair im Preis, ohne Stress. Genau so fängt ein guter Tag an.
Der Wind spielte an diesem Morgen schon früh seine Rolle. Auf Fehmarn nie zu unterschätzen. Also entschieden wir uns bewusst für die Runde im Uhrzeigersinn. Gegen den Uhrzeigersinn wäre romantischer gewesen – aber auch deutlich härter. Mehr als drei Viertel Gegenwind? Nein danke. Man darf auch klug fahren.
Und dann ging es los.




Schon auf den ersten Kilometern wurde klar, wie viel Mühe sich die Insel mit ihren Wegen gibt. Egal ob Schotter, Holz, Pflaster oder Deichweg – alles rollt. Kein Geruckel, kein Gefluche. Einfach treten, schauen, atmen. Genau das, was Gravel für mich ausmacht.
Ich konnte den Blick schweifen lassen. Über das Wasser. Über die Felder. Über kleine Orte, Häfen, Strände. Fehmarn zeigt sich nicht laut. Die Insel drängt sich nicht auf. Sie begleitet dich einfach. Zwischendurch immer wieder kleine Pausen. Mal an einer Düne. Mal an der Steilküste. Mal an einem fast leeren Strand. Schuhe aus, kurz stehen, durchatmen. Ostseeluft. Salz. Weite.
Unterwegs begegnet dir Geschichte, ohne dass sie sich aufdrängt. Orte, an denen Jimi Hendrix einmal war. Alte Hafenanlagen. Hinweise auf U-Boote, Seenotretter, Fischerei. Du fährst durch Jahrzehnte – und merkst es fast nicht.
Was mich wirklich überrascht hat: die öffentlichen Toiletten. Kostenlos. Sauber. Gepflegt. Klingt nebensächlich, ist auf langen Touren Gold wert. Kleines Detail, große Wirkung.
Der Deich wurde irgendwann zum ständigen Begleiter. Links Wasser. Rechts Land. Vorne Wind. Immer wieder Wind. Manchmal sanft. Manchmal fordernd. Nie ganz weg. Gerade diese langen Passagen haben etwas Meditatives. Du findest deinen Rhythmus. Tritt, Atem, Blick. Alles fließt. Der Kopf wird ruhig. Die Gedanken sortieren sich von selbst.
Ab etwa Kilometer 45 wurde es spürbar. Nicht in den Beinen. Im Kopf. Die Strecke zieht sich. Der Wind bleibt. Die Euphorie vom Start ist weg. Und genau da entscheidet sich, warum man sowas macht.
- Nicht wegen der Fotos
- Nicht wegen Strava
- Nicht wegen Zahlen
Sondern wegen dieses Moments, in dem du sagst: Ich fahre weiter.
Die Fehmarnsundbrücke war dann wie ein kleines mentales Geschenk. Ein Orientierungspunkt. Ein Zeichen: Du bist mittendrin. Du schaffst das. Kurz anhalten. Schauen. Lächeln. Weiter. Diese Runde war kein Rennen. Kein Vergleich. Kein Druck. Sie war einfach: unterwegs sein. Mit mir. Mit meinem Körper. Mit meiner Geschichte. Mit allem, was dazugehört.




Gerade nach meinem Weg im Sport fühlen sich solche Touren anders an. Jeder Kilometer ist ein kleines Ja zum Dranbleiben. Zum Weitermachen. Zum Vertrauen in sich selbst. Am Ende war da keine Erschöpfung. Da war Zufriedenheit. Diese leise, tiefe Art von Stolz, die nicht laut sein muss.
- Einmal um Fehmarn
- 65 Kilometer
- Ein Tag
- Viele Gedanken
- Viel Gefühl
Und ganz viel Dankbarkeit.
Wenn du überlegst, diese Runde zu fahren:
Mach es.
- Nicht für die Strecke
- Nicht für die Uhr
Für das Gefühl, wenn du am Ende vom Rad steigst und weißt: Das war mein Tag.




